Die ungleichen Zwillinge

Es waren einmal Zwillinge. Äußerlich glichen sie sich wie ein Ei dem anderen. Ansonsten aber waren sie vollkommen verschieden. War es dem einen zu kalt, war es dem anderen zu heiß. War dem einen die Musik zu laut, war sie dem anderen zu leise. Am auffälligsten aber war: Der eine war zu jeder Stunde zuversichtlich und optimistisch, der andere hingegen schlecht gelaunt und pessimistisch.


Als sich der Tag ihres Geburtstags näherte, wagte ihr Vater ein Experiment.


Am Vorabend des Festtags füllte er das Zimmer des Pessimisten mit den schönsten Geschenken: Sportgeräte, Spielzeug, technische Geräte und vieles mehr. Bis zur Decke türmten sich die Geschenke. Dem Optimisten aber legte er nur einen stinkenden Haufen Pferdeäpfel ins Zimmer – sonst nichts.


Gespannt wartete der Vater, was passieren würde.


Als er am Geburtstagsmorgen in das Zimmer des Pessimisten schaute, fand er ihn laut klagend am Boden sitzen. „Warum weinst du“, fragte der Vater verwundert. „Oje“, lamentierte der pessimistische Sohn. „Meine Freunde werden neidisch werden, weil ich so viele Geschenke bekommen habe. Und ich werde so viele Batterien benötigen, um die technischen Geräte laufen zu lassen. Außerdem muss ich erst all die Betriebsanleitungen lesen. Bestimmt werden die Dinge im Lauf der Zeit auch kaputtgehen.“


Darauf ging der Vater in das Zimmer des optimistischen Zwillings. Dieser hüpfte vor Freude um die Pferdeäpfel herum. „Warum bist du denn so fröhlich“, fragte der Vater. „Ganz einfach“, antwortete der optimistische Sohn: „Weil irgendwo im Haus ein Pony sein muss!“


-Verfasser unbekannt -